Göcklingen

Göcklingen Panoramabild von Göcklingen

Monsieur Chaptal und der Draht verändern den Weinbau

1836 fand der französische Chemiker Chaptal aus Lyon die Möglichkeit in schlechten Weinjahren den Most durch das Hinzufügen von Zucker zu verbessern. Noch aber war der Zucker sehr teuer, so dass nur große und reiche Weingüter davon Gebrauch machen konnten. Aber die Methode wurde mehr und mehr bekannt und setzte sich auch bei uns durch. Als man schließlich herausfand, dass man den ausgepressten Most mit Wasser übergießen und ein zweites Mal pressen und unter Hinzufügen von Zucker und Hefe eine Art Wein machen konnte, kam es zu einer schier unglaublichen Weinpanscherei. Dies spiegelt sich wieder in den Zeitungsanzeigen um 1900. Da werden Weinmengen angeboten in der Größenordnung von 60-120 Tausend Liter. Daneben aber auch Mengen von 2-8 Tausend Liter, deklariert als "reiner, ehrlicher, naturreiner" Wein.

In der Chronik von Dierbach ist ein Rezept aus dem Jahre 1870 abgedruckt unter dem Titel "Wie man Wein macht". Darin kommt das Wort TRAUBEN überhaupt nicht vor! Der bekannte Witz von dem Winzer, der auf dem Sterbebett seinen Söhnen ein Geheimnis verrät, nämlich der Gestalt, dass man auch aus Trauben Wein machen kann, kommt nicht von ungefähr! Ab 24. Mai 1901 versuchte man durch ein neues Weingesetz die Panscherei einzudämmen. Dies gelang aber erst nach dem strengeren vom 7. April 1909: Der Zusatz von Wasser zur Minderung der Säure wurde auf 20 % beschränkt, aus Trester hergestellte Weine waren als "Haustrunk" zu bezeichnen, als solche am Fass zu beschriften und bei der Gemeindeverwaltung anzumelden. Nur ungezuckerte Weine durften als "Naturwein" verkauft werden

Mein Großvater, August Frech, der um diese Zeit als Kellermeister in einer Landauer Weinkellerei tätig war, erzählte mir, dass er 1903, nachdem der Weinhändler den Wink bekommen hatte, dass am nächsten Tag die Weinkontrolle käme, 70 000 Liter "Wein" in die Kanalisation laufen lassen musste. Da werden sich die Fische in der Queich mächtig gewundert haben! Übrigens gab es zu der Zeit in Landau 76 Weinkellereien!

Der Weinanbau machte hier 1871 nur 1/10 des Ackerbaus aus, etwa 50 ha, die sich auf etwa 100 Winzer aufteilten. Als meine Großmutter Anna Stoffel 1898 von Dimbach nach Göcklingen kam um den Schmied und Winzer Heinrich Köhler zu heiraten, gab es südlich des Kaiserbaches nur zwei Weinberge, einen im "Heuchelheimer Eck". Er gehörte einem von St. Martin zugezogenem Herrn "Breinel". Der andere, ein Sylvanerwingert im "Unteren Löhl", gehörte den Großeltern von Albert Nuß und war wegen des hohen Säuregehaltes der Trauben bei den Weinhändlern sehr begehrt: Man durfte doch damals noch nach dem Weingesetz bei hohen Säurewerten, wie bereits oben erwähnt, bis 2o % Wasser hinzusetzen!