Göcklingen

Göcklingen Panoramabild von Göcklingen

Eine gewaltige Veränderung des Weinbaus brachte um 1860 die Erfindung des DRAHTES. Noch war er für die Göcklinger Winzer zu teuer. Aber kurz vor 1900 war es so weit: Bei der Neuanlage von Weinbergen verwendeten besser gestellte Winzer keine entlang der Zeilen ziehende Kastanienbälkchen mehr, sondern Weinbergsdraht. Das war zunächst nur einer, der sog. Lännrichdraht, 3-5 mm dick. Der war so kostbar, dass man bis nach dem II. Weltkrieg beim Abräumen eines alten Weinberges den Draht sorgfältig aufrollte, auf einem Stapel brennenden Rebholzes ausglühte und erneut verwendete. Zwischen den beiden Kriegen kam nach und nach der "Trudeldraht" hinzu. Das war ein dünnerer Draht, der sich etwa 10 cm über dem ersten befand. Über ihn wurden die Ruten eines jeden Rebstockes nach dem Schnitt bogenförmig angebunden. Noch aber waren die Rebstöcke richtige "Struwwelpeter", die den ganzen Boden beschatteten. Nur die Grasgänge wurden mit der Sichel frei gehalten. Die ersten Fangdrähte, die erst eine senkrechte Laubwand ermöglichten, verwendete kurz vor dem II. Weltkrieg der Winzer Albert Eck, Traudels Vater. Später, etwa ab 196o kam dann nach und nach ein zweites Paar Fangdraht hinzu. So entstanden senkrechte Laubwände mit insgesamt 6 Drähten, wovon 4, die Fangdrähte beweglich waren. Sie machten die Verwendung der heutigen Laubschneider erst möglich.

Im Jahre 1900 wurde, wohl auf Veranlassung des aufgeschlossenen und fortschrittlichen Bürgermeisters und Weingutbesitzers Otto Reither von der Gemeinde ein Weinbergspflug angeschafft. Der hatte im Gegensatz zum altbekannten Ackerpflug, vorn nur ein Rad um besser in den damals nur etwa 80 - bis 100 cm breiten Gängen arbeiten zu können. Vermutlich geschah die Anschaffung in Zusammenarbeit mit dem kurz zuvor gegründeten RAIFFEISEN. Aber wer wagt als Erster in den von Querbälkchen befreiten Weinbergsgängen mit dem Pflug zu arbeiten, zu "zackern", wie man hier sagt. Es war der Winzer im Oberdorf, Konrad Eck. Bei ihm wurde der Pflug auch deponiert. Sollte sich das Pflügen bewähren, so wäre dies eine gewaltige Arbeitserleichterung. Konrad Eck, der Großvater von meinem Jugendfreund Albert Eck, probierte es. Er wurde belacht, denn man meinte, der Pflug würde alle Rebwurzeln abreißen und bringe damit die Rebstöcke zum Absterben. Aber nichts dergleichen geschah. Von nun an war nicht mehr die ganze Weinbergsfläche mit der Hacke zu bearbeiten, sondern nur noch Teile, und als später der RISSER dazu kam, war sogar nur noch unter den Rebstöcken zu hacken!

Welch ein Fortschritt! Man konnte sich nun mehr Weinberge zulegen, weil diese leichter zu bearbeiten waren. Vor dem II. Weltkrieg hatte praktisch jeder Winzer in Göcklingen einen Weinbergspflug und einen Risser, beide übrigens in unserer von Karl Reinhardt gestalteten Ausstellung, dankenswerterweise, zu besichtigen. Dem "Wingertspflug" erging es wie vielen Dingen:

"Zuerst belacht,
dann bedacht,
und dann nachgemacht!"

Zu so viel Gutem kam aber um 1900 in Göcklingen ein neuer Feind der Reben auf, den man bisher nicht kannte:der Heu- und Sauerwurm. Nach anfänglichen großen Schäden bekam man ihn mit allerlei Giften in den Griff. Gott sei Dank geschieht heute seine Bekämpfung meist giftfrei durch Veramonfallen.