Göcklingen

Göcklingen Panoramabild von Göcklingen

Der Weinbau in Göcklingen in den Kriegsjahren 1939-45

Für uns Buben waren 1938 und 1939 spannende Jahre. Ich war damals 10 Jahre alt und fand alles ungemein spannend und aufregend. Mit dem Fahrrad den Autos der Offiziere und Bauingenieuren nachzufahren war sehr interessant. Sie legten fest: hier kommt ein Bunker hin und dort, dies zum Großteil mitten in den Weinbergen. Hunderte von Arbeitern kamen, hackten die Rebstöcke ab, gruben tiefe Löcher und bauten die Betonbunker. Kein Winzer protestierte, keiner fragte nach einer Entschädigung für den Ernteausfall. Keiner wagte es. Erst die demokratische Regierung nach dem Krieg zahlte und dies für Dinge, die sie nicht verschuldet hatte.

Nach und nach wurden die Männer eingezogen. Die Winzerinnen, ihre Kinder versuchten mit Hilfe zunächst französischer, später russischer Kriegsgefangener die Weinberge zu erhalten. Auch die Pferde wurden eingezogen. Kühe und Ochsen zogen die Pflüge und Risser in den Wingerten. Das war ein mühsames Geschäft. Ich entsinne mich, dass ich am Ochsen ziehen musste, damit er sich überhaupt fort bewegte. Er rannte dann einige Meter, meine Mutter hintendran am Pflug, ja und dann blieb er wieder stehen, aber diesmal mit dem linken Bein auf meinem rechten Fuß. Das tat zwar nicht weh, da der Boden relativ weich war, aber ich brachte meinen Fuß nicht mehr heraus. Ich trat gegen sein Bein, meine Mutter schrie "hüh, hüh", aber der Ochse bewegte sich nicht. Schließlich rannte er plötzlich los, wie verrückt, um nach etwa 10 Metern erneut stehen zu bleiben. Die Prozedur begann von neuem. Ich habe einen großen Respekt vor allen Kriegsfrauen. Was sie leisteten, kann nur der ermessen, der es miterlebte.

Der Wein war übrigens "bewirtschaftet", d.h. man durfte ihn nicht verkaufen wann und an wen man wollte, er wurde einfach abgeholt. Man hatte Mühe, für sich selbst etwas davon auf die Seite zu schaffen.

Um das komplizierte Anrühren der Spritzbrühe zu erleichtern, wurde vom RAIFFEISEN an dessen Lager im heutigen "Göcklinger Hausbräu", eine gemeinschaftliche Spritzbrühanlage eingerichtet, die von meinem Schul - u. Jugendfreund Hans Bengert bis zu seiner Einberufung betrieben wurde. Man musste bei ihm den Bedarf an Kupfervitriolbrühe einige Tage vorher anmelden. Die Anlage bestand aus mehreren etwa 600 Liter fassenden Betonbehältern und einer Pumpe und stand westlich des "Röhrbrunnens".

Am Ende des Krieges sahen die meisten Weinberge trostlos aus. Inzwischen waren nämlich z. B. auf dem Setzerberg, mitten in den Weinbergen Schützengräben und Maschinengewehrstände ausgehoben worden und ein etwa 5 m breiter Stacheldrahtzaun schlängelte sich wenige Meter vor ihnen durchs Land.

Am 23. März 1945 zogen die Amerikaner in Göcklingen ein. Die Wochen davor waren hart. Auf alles was sich bewegte, ob Frau, Kind oder Ochsengespann schossen die Jagdbomber im Tiefflug. Eine Arbeit war erst nach Einbruch der Dunkelheit möglich. Das Frühjahr war unglaublich warm und daher standen an diesem Tag die Bäume in voller Blüte, als freuten auch sie sich über das Ende des Krieges. Leider konnte auch der Rebschnitt zum größten Teil nicht durchgeführt werden. Die neuen Triebe waren fast armhoch, bis man dazu kam Im Herbst gab es nicht viel, aber sehr guten Wein, den die ersten, aus der Gefangenschaft heimgekehrten Göcklinger genießen konnten. Der Wein wurde von der französischen Besatzungsmacht beschlagnahmt. (Sequesterwein) Das sollte noch einige Jahre so bleiben. Viele Winzer kamen nicht mehr aus dem Krieg zurück. Für ihre Frauen ging der harte Kampf ums Überleben weiter. Sie und vielleicht noch ein vorhandener Opa versuchten den Betrieb und die Weinberge für die Kinder zu retten. Ein Loblied diesen tapferen Frauen!