Göcklingen

Göcklingen Panoramabild von Göcklingen

Der enorme Wandel nach dem II. Weltkrieg

In den letzten 50 Jahren des vergangenen Jahrhunderts hat sich der Weinbau hier mehr gewandelt, als in 5oo Jahren zuvor.

Im Zuge der FLURBEREINIGUNG, die 1958 begann und 1984 endete, wurden die oft sehr kleinen Weinberge zusammengelegt. Wer vorher 40 Weinberge besaß, hatte jetzt vielleicht noch 10. Alle Weinberge waren nun erschlossen durch zwei Wirtschaftswege, von denen einer in der Regel betoniert war. Die Zeilenbreite wuchs von früher 8o cm auf 1,20 m und dann, nach dem Maschineneinsatz, auf 1,80 bis 2m. Bei der Flurbereinigung wurden die inzwischen gesprengten Westwallbunker beseitigt, was man im Nachhinein bedauert, weil schöne Biotope verloren gingen.

In den großen, planierten und drainierten Flächen pflanzte man nur noch PFROPFREBEN, die resistent waren gegen die Reblaus. Auch kamen mehr und mehr neue REBSORTEN hinzu, wie Morio-Muskat, Huxel, Sieger, Ortega, Faber, Kanzler, Bachus Kerner u.s.w.. Einige haben sich bis heute gehalten, obwohl inzwischen eine Rückbesinnung auf die alten Rebsorten eingesetzt hat. Auch Rotwein wurde verstärkt angebaut, obwohl Fachleute diesem in Deutschland nach der Gründung der EU keine Zukunft gaben. (!)

Die Flurbereinigung und die daraus folgenden Umstellungen waren für die Göcklinger Winzer eine gewaltige Kraftanstrengung. Sie mussten etwa Millionen DM dafür aufwenden. Zuzüglich mussten Geldbeträge für den sog. "Lastenausgleich" aufgewendet werden. (Das war eine Entschädigung für Vertriebene aus dem Osten, die Haus und Hof verloren hatten.) Ohne Kredite und Zuschüsse des Staates wäre das Großprojekt Flurbereinigung nicht möglich gewesen.

Die WEINBERGSFLÄCHE wurde gewaltig erweitert. Betrug sie 1749 nur 4.25 ha, so war sie in 50 Jahren relativen Friedens während der Regierungszeit des Kurfürsten Carl Theodors, d.h. bis 1799, auf 43 ha angewachsen. Nur Godramstein (119 ha), Frankweiler (69 ha) und Siebeldingen (47 ha) hatten mehr Weinberge im kurpfälzischen Oberamt Germersheim.

Heute haben wir in unserer über 7 Quadratkilometer großen Gemarkung rund 500 ha Weinbergsfläche. Davon gehören etwa 33o ha den Göcklinger Winzern, der Rest den Winzern aus den umliegenden Nachbardörfern.

Die ZAHL DER WINZER ging in Göcklingen dagegen stark zurück. Waren es um 1950 noch etwa 100 Weinbau betreibende Familien, so sind es zur Zeit nur noch 19 hauptberufliche Winzerbetrieb.

Die Ausbildung der Betriebsinhaber hat sich laufend verbessert. Lernten unsere Großeltern früher nur beim Vater, so haben die jungen Winzer heute meist eine Fremdlehre und den Besuch der Weinbauschule hinter sich. Die meisten sind Winzermeister. Der Trend der nächsten Generation geht hin zu einem Studium an einer Hochschule.

Der Fortschritt wäre in diesem Maße nicht möglich gewesen ohne die gleichzeitige, früher für unmöglich gehaltenen MECHANISIERUNG. Wer vor 30 Jahren gesagt hätte, dass man eines Tages die Trauben mit einer Maschine ernten kann, wäre dem Gelächter preisgegeben worden. Wie quälte man sich anfangs mit dem VARIMOT oder dem kleinen HOLDER durchd ie schmalen Zeilen, wie unvollkommen waren die ersten Weinbergsspritzen, die ersten Mulcher, Fräsen und Laubschneider. Und heute: Starke Traktoren, allradgetrieben mit Klimaanlage und gekoppelten Geräten, mit denen man in einem Arbeitsgang gleich zwei Arbeiten verrichten kann, sind überall im Einsatz

Die hohen Investitionen führten etwa ab 1960 dazu, sich auf den reinen Weinbau zu beschränken. Von den 19 noch vorhandenen Betrieben sind inzwischen 18 reine Winzerbetriebe, oft gepaart mit Obstbau, Brennerei und Fremdenzimmern.

Parallel zur Mechanisierung im Außenbereich erfolgte die im inneren Bereich. Hatte vor dem 2. Weltkrieg eine Familie 3 - 5 Fuder Fassraum im Keller, durchweg Holzfässer, so änderte sich das zu Beginn der 50er Jahre. Betonfässer waren "in". Sie waren platzsparend und passten in jede Ecke. Heute wären wir froh sie stünden nicht in unseren Kellern. Aber sie sind solide gebaut, dass ihre Beseitigung Unsummen verschlingen würde.

Um die gewaltigen Investitionen im inneren Bereich abzumildern und einen neuen Absatzweg zu erschließen, wurde im Jahre 19.. die WINZERGENOSSENSCHAFT "KLEINE KALMIT" ,heute "Deutsches Weintor". Von den anfänglich .. Mitgliedern stammten .. aus Göcklingen. :die meisten Göcklinger Winzer sind sog. Teilablieferer, d.h. einen Teil ihrer Ernte vermarkten sie weiterhin zu Hause. Ohne Zweifel : Durch die Genossenschaft kam ein Qualitätsschub in unsere Gegend. Gingen vor dem neuen Weingesetz von 1970 etwa 80% unserer Weine an die Mosel, so änderte sich das rasch, besonders als der negativ besetzte Begriff "Oberhaardt" (gleich: einfache, schlichte Weine), durch den der "Südlichen Weinstraße" abgelöst wurde. Welch ein Qualitätssprung durften wir seither erleben!!