Göcklingen

Göcklingen Panoramabild von Göcklingen

Ein gewaltiger Sprung vorwärts durch die Griechen

Dieses herausragende Volk legte nicht nur die Grundlage unserer abendländischen Kultur, sondern parallel dazu auch die des modernen Weinbaus. Etwa 1000 v. Ch. waren sie in Kleinasien mit dem Weinbau in Berührung gekommen und krempelten ihn sofort um:

  1. Sie pflanzten die Reben einzeln an Pfähle, so wie wir es heute noch von den Steillagen der Mosel kennen.
    Sie hackten den Boden in den Weinbergen mitdem KARST.
  2. Sie schnitten die Reben mit dem SESEL nach dem Laubfall.
  3. Sie füllten den Wein in tönerne Krüge, nicht mehr in Lederbälge u. Schläuche
  4. Sie erfanden die nötigen Werkzeuge und Geräte.
  5. Sie feierten die ersten Weinfeste

Klar, durch die Einzelpflanzung der Reben wurden die Trauben größer und reifer. Der Ertrag und Gewinn stieg. Über das Umgraben und den Reb- schnitt hinterließ uns der griechische Dichter AESOP zwei Fabeln:

Ein Vater sagte zu seinen Söhnen kurz vor seinem Tode, dass draußen im Weinberg ein Schatz vergraben sei und sie sollten ihn nur fleißig suchen. Nachdem der Vater gestorben war, machten sich die Söhne ans Werk und gruben und gruben, ohne den Schatz zu finden. Wie groß aber war ihr Erstaunen im nächsten Jahr, als ihr Weinberg unter allen hervorstach und die schönsten Trauben brachte."

Und die zweite Fabel:

"Ein Winzer begab sich mit seinem Esel zu seinem Weinberg um zu arbeiten. Den Esel band er am Pfahl des ersten Rebstockes an und machte sich an die Arbeit. Sein Zorn war groß, als er wieder zum Esel zurück kam und sah, dass dieser, soweit es ihm der Riemen erlaubte, das Rebholz der nächsten Stöcke abgefressen hatte. Er schlug auf den Esel ein. Wie groß war aber sein Erstaunen im nächsten Jahr, als eben diese Stöcke die schönsten und süßesten Trauben trugen!"

Die beiden Geräte zum Hacken und Schneiden, den KARST und das SESEL blieben bis 1900 die wichtigsten Werkzeuge auch der Göcklinger Winzer. Sie schmückten als ihr Wahrzeichen unzählige Winzerhäuser. Beide wurden um 1900 abgelöst durch die Rebschere und die Winzerhacken, die sog. BRÄTHÄ oder ORTGANGHACK.

Durch die steinernen Krüge war der Wein länger haltbar. Vielleicht haben die Griechen, nachdem sie rings ums Mittelmeer Kolonien gegründet und auf Sizilien den Schwefel und seine stabilisierende Wirkung kennen gelernt hatten, die Krüge ausgeschwefelt. Erstaunlich wie weit sie den Wein verschick-: ten: Als man 1953 bei Rüdesheim ein keltisches Fürstengrab aus der Zeit 450 v. Ch. öffnete, fand man einen, allerdings leeren, griechischen Steinkrug.

Mit DIONYSOS hatten die Griechen einen eigenen Gott des Weines. Er wohnte zwar nicht bei Zeus auf dem Götterberg Olymp, war aber so beliebt, dass man nach der Weinlese ihm zu Ehren rings ums Mittelmeer die sog ." Kannenfeste " feierte, Vorläufer unserer heutigen Weinfeste.