Göcklingen

Göcklingen Panoramabild von Göcklingen

Mit den Römern kam der Weinbau in die Pfalz

Zur Zeit Jesus war die Pfalz ein Teil des römischen Weltreiches. Wurden anfänglich die römischen Legionäre oder die Bewohner der röm. Städte wie Speyer noch mit Wein aus Italien versorgt, so stellte sich der Transport über die Alpen doch als sehr schwierig heraus. Man machte Versuche mit mitgebrachten Reben, pflanzte diese um die röm. Villen am Rhein, an der Mosel und in der Pfalz und siehe da, sie wuchsen und gediehen. Der Weinbau in den röm. Kolonien blühte dermaßen auf, dass die Winzer im Mutterland Italien um ihren Absatz fürchteten und der damalige Kaiser Domotian (81-96 n.Chr.) eine Einschränkung des Weinbaus in den Kolonien befahl. (Er wurde übrigens umgebracht. Hoffentlich nicht wegen dieses Erlasses!)

Wie viele andere kulturellen Einrichtungen hatten die Römer auch den Weinbau von den Griechen übernommen. Aber sie entwickelten ihn weiter, verfeinerten ihn, insbesondere durch die Einführung des KAMMERTBAUS. Jetzt wuchsen die Reben nicht mehr einzeln an Pfählen, sondern im Abstand von etwa 4m wurden Holzpfähle eingeschlagen, die ca. 80 cm aus der Erde ragten. Man verband diese mit etwa 4cm dicken Bälkchen aus gespaltenem Kastanienholz, so dass eine durchgehende Rebzeile entstand. Links und rechts kam jeweils eine weitere Zeile hinzu. Dieser Dreierverbund wurde an jedem Weinbergspfahl, also alle 4 Meter, durch Querbälkchen verstärkt, so dass der ganze Weinberg in "Kammern" eingeteilt war. Zusammengehalten wurde dieses hölzerne Tragegerüst durch die sog. "Kammertbann". Das waren besonders starke Weiden die schwer zu bearbeiten waren. Darum wurde die Arbeit des "Kammertmachens" meist von Männern bewerkstelligt. Die Frauen banden mit den sog. "Biegbann" die einzelnen Ruten, in der Regel zwei, an den längsziehenden Holzbälkchen fest. Nach jeder 3. Zeile folgte ein Grasgang, dessen meist mit der Sichel geschnittenes Gras eine wertvolle Futterquelle für das Vieh war. Um 1900 war der Kammertbau in Göcklingen und den umliegenden Dörfern die einzige Form der Reberziehung. Die letzten Weinberge verschwanden bei der Flurbereinigung in den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts.

Was ist von den Römern geblieben? Zunächst einmal der Begriff "BALKEN", So sagen wir bis heute z.B.: "Wir haben noch 4 Balken zu herbsten". Oder: " Der Wingert ist 3o Balken lang." Balken sucht ein Fremder allerdings vergebens im Wingert! Zweitens: Die Esskastanien. Natürlich liebten die Römer die Esskastanien, aber sie brauchten auch das Holz, einmal um die Weinbergsanlagen zu errichten aber auch um die inzwischen von den Galliern erfundenen Kübel, Bütten und Fässer durch den "cupa",den Küfer, anfertigen zu lassen.

Wein kann man bekanntlich nur in Eichen - oder Kastanienfässern lagern. Drittens brachten uns die Römer das GLAS. Jetzt konnte man Wein in Flaschen abfüllen - man denke nur an die fast 2000 Jahre alte Weinflasche im Speyerer Weinmuseum, eine ehemalige Grabbeigabe. Auch tranken feine Leute nun den Wein aus Gläsern, den bekannten "RÖMERN". Und schließlich, Viertens: Es blieben eine Menge weinbaulicher Begriffe zurück, die freilich eingedeutscht, als Fremdwörter kaum mehr zu erkennen sind, z. B. vinum (Wein), pressura (Presse), sisilum (Sesel), mustum (Most) u.s.w.

Mit dem römischen Weinbau hatten unsere Vorfahren freilich nichts am Hut. Ganz einfach: Es gab ihn nicht in Göcklingen!

Zeichnung: Römischer Kammertbau