Göcklingen

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Katastrophen bedrohen den Weinbau

Die Revolutionskriege waren zu Ende, Napoleon hatte abgedankt, die Pfalz war 1816 bayrisch geworden Da kamen um 1850 von Frankreich her alarmierende Nachrichten: Das Laub der Weinberge wurde schon im Sommer welk, die kleinen Trauben waren mit einem grauen Belag überzogen. Oidium und Peranospera waren von Amerika eingeschleppt worden. Die Winzer waren völlig hilflos Der Ernteausfall lag bei 80% und darüber. Chemiker fanden heraus, dass sich mit Kupfervitriol und Schwefel die neuartigen Pilzkrankheiten bekämpfen ließen. Reinen Schwefel streute man von Hand zwischen die Zeilen, die Brühe mit Kupfervitriol wurde mit Kalk neutralisiert, in Holzkübel gefüllt und mit dem "Kehrwisch" (Handfeger) auf das Reblaub und die Trauben geschleudert. Einer der ersten kleinen Handschwefler aus dieser Zeit befindet sich übrigens hier in unserer Ausstellung. Aber es kam noch schlimmer! Rätselhaft starben mitten im Sommer in sich kreisförmig erweiternden Flächen Rebstöcke ab. Immer größer wurden die Kreise, erfassten zunächst einen ganzen Weinberg. dann einzelne Gewanne und schließlich die ganze Gemarkung. Es war das verheerende Werk der REBLAUS, die ebenfalls um diese Zeit an den Wurzeln amerikanischer Reben eingeschleppt wurde. (Der Kartoffelkäfer kam obendrein gleich mit.)

In Frankreich haben sich viele Weinbauorte von dieser Katastrophe nicht mehr erholt, z. B. unsere Partnergemeinde Soucy in Burgund. Bei uns hier war man vorgewarnt, Reblausherde musste man melden. Man versuchte dann die befallenen Stellen zu säubern indem man Gas in die Erde leitete. Eine endgültige Lösung brachte dies nicht, zudem war sie teuer und nicht ungefährlich. Diese kam erst kurz vor und nach dem zweiten Weltkrieg durch die Einführung der PFROPFREBEN. Auf resistent gewordenen amerikanischen Unterlagen wurden Edelreise, wie Riesling oder Sylvaner, aufgepfropft.

Für manche Weinbauorte, z.B. auch im Osten Deutschlands, kam diese Lösung leider zu spät.