Göcklingen

Göcklingen Panoramabild von Göcklingen

Der alte Amtstisch im Göcklinger Rathaus

Ja wenn er nur sprechen könnte, der im Jahr 1782 gefertigte Amtstisch des ehemaligen kurpfälzischen Schultheißen- und Schöffengerichtes. Gar manches in jeder Beziehung könnte er erzählen und einige , die in den 227 Jahren seines Bestehens wichtige Nachrichten erfuhren oder verbreitet haben, würden sich im Grab umdrehen.

Heute noch leitet der Ortschef die Sitzungen seines Gemeinderates von diesem Kleinod aus.

Wie August Brauner, früher Berufsschuldirektor, Heimatforscher und darüber hinaus ein echter Göcklinger Bub damals feststellte, waren die Göcklinger zu dieser Zeit Untertanen des Kurfürsten von der Pfalz Karl Theodor (1742 – 1799). In der Mitte der aus Nussbaumfurnier bestehehenden Tischplatte (1,91 x 1,13 x0,77 m) ist das kurfürstliche Wappen in Intarsienarbeit Ahorn und Zwetschgenbaumholz eingelegt. Im dreigeteilten runden Schild sind die bayerischen Rauten, der kurpfälzische Löwe und der Reichsapfel als Sinnbild des Reichstruchsessamtes des Kurfürsten. Rechts und links befindet sich je ein zweigeschwänzter Löwe, die den Schild stützen. Darüber sitzt der „Kurhut“, wiederum mit Reichsapfel.Unter dem Wappenschild befindet sich die Inschrift“

„ JOHANNES DÖRLERSCHULDEIS ZU GÖCKLINGEN: 1782“ Das ganze ist durch Ranken- und Blütenwerk verziert. Dörler war der letzte kurpfälzische Schultheis von Göcklingen.

Die 4 Tischecken sind mit den Initialen von 4 Gerichtsschöffen versehen. Diese waren aus der Gemeinde ausgewählte untadelige Männer, die dem Schultheiß mit Rat und Tat zur Seite standen Sie erledigten Aufgaben, die heute vom Bürgermeister, Amtsrichter oder Notar wahrgenommen werden. Die Namen der 4 Schöffen sind: GB = Georg Brauner, GIK = Georg Jakob Keller, HJR = Hannes Jakob Reither und HN = Hannes Nagel. Die erwähnten Personen hat Pfr. Dr. Schirmer in seiner Göcklinger Chronik gewürdigt und ihnen ein bleibendes Denkmal gesetzt. Außer Hannes Nagel, dessen Name letztmals 1838 in Göcklingen vorkam, leben heute noch Nachkommen der anderen Genannten in Göcklingen.

Die Zarge, Beine und Steg des Tisches sind aus massivem Nussbaumholz gefertigt und haben geschwungene rokokohafte Stilformen.

Insofern ist der Ratstisch ein Kleinod sowohl in kommunalpolitischer als auch historisch-stilgeschichtlicher Hinsicht. Er beinhaltet Stilmerkmale der Übergangszeit von Barock zu Rokoko

Der Ratstisch schließt sich in Form, Gliederung und Ausschmückung den französischen Vorbildern an und ist ein Modell des „Bureauplat“

In den Jahren 1864 und 1964 wurde die Tischplatte restauriert, wie aus Inschriften hervorgeht.

1964 hat die Schreinereiwerkstätte Anton Stortz in Landau die Tischplatte getreu nach dem ursprünglichen Vorbild in mühevoller Kleinarbeit erneuert, nachdem die alte Platte vom Holzwurm total zerfressen war. Hans Stortz, der Sohn des damaligen Inhabers ist seit 49 Jahren in Göcklingen verheiratet. Er erinnert sich noch gern an das „Meisterstück“, an dem er tatkräftig mitgearbeitet hat

und dadurch für seinen Heimatort ein dauerhaftes Zeichen setzen konnte.

Möge dieses wertvolle und klassisch schöne Werk des bis jetzt noch unbekannten Meisters noch vielen Generationen in würdiger Weise erhalten bleiben.

pkl