Göcklingen

Göcklingen Panoramabild von Göcklingen

Brunnen, in und um Göcklingen

Es war ein bahnbrechendes Ereignis, als in den Jahren 1928/29 - also vor 80 Jahren - die öffentliche Wasserversorgung in den Straßen und Häusern Göcklingens installiert wurde. Vor dieser Zeit schöpften die Einwohner das kostbare Nass aus dem Bach oder aus privaten Brunnen. Allerdings konnte sich nicht jede Familie aus finanziellen oder geografischen Gründen einen Brunnen bauen oder bohren, weshalb die Gemeinde durch öffentliche Brunnen die vorhandenen Lücken schloss. Die bedeutendsten Brunnen waren der Röhrbrunnen beim Wächterhaus zwischen dem Rathaus und dem Freihof sowie der Röhrbrunnen im Unterdorf am heutigen „Göcklinger Hausbräu“.

Über den Brunnen am Wächterhaus steht im Urkataster folgendes: Auf Pl.Nr. 3623 in der Bauerngassgewann entspringt eine Quelle, welche mittels Deicheln durch den Rücksbornweg, zum Landauerweg, bis zum sogenannten Platz (heutiger Rathausplatz) geleitet wird und dort ausmündet. „Deicheln“ waren längsseits halbierte Baumstämme, die ausgehöhlt wurden und in deren Vertiefung das Wasser weitergeleitet wurde. Dieser Brunnen war älter als der im Unterdorf. Nachdem die Holzleitung morsch geworden war, versickerte das Wasser im Boden und der Brunnen versiegte. Daraufhin beschloss man, ihn zu entfernen.

Der Brunnen im Unterdorf war 1824 errichtet worden. Er hatte einen Trog. Der Trog des versiegten Brunnens in der Dorfmitte entfernte man 1905 von seinem alten Platz und stellte ihn neben den im Unterdorf. Man transportierte ihn durch „schwicken“ das heißt er wurde unter einem Pferdewagen hängend , zum gewünschten Ort gefahren.

Im Jahr 1985 - bei der Renovierung des Rathausplatzes wie er sich in seiner heutigen schmucken Form präsentiert - wurde der vorbenannte Brunnentrog wieder an seinen ursprünglichen Standort in die Dorfmitte gebracht und wird heute dosiert aus der öffentlichen Wasserversorgung gespeist.

Der Brunnen im Unterdorf erhält sein Wasser aus einer Quelle im Münsterweg 200 m südlich des Auslaufs Er diente bis in die 70er Jahre des letzten Jahrhunderts als Viehtränke und als Notversorgung bei Wassermangel oder in kalten Wintern, wenn die häusliche Wasserleitungen eingefroren waren. Dieser Brunnen lief tagein- und tagaus. Erst mit der Verlegung der Abwasserleitung im Münsterweg und bedingt durch geringere Niederschläge sank die Leistung. In den letzten Jahren versiegt er in den Sommermonaten regelmäßig. Seine Bedeutung ist damit leider gesunken.

Das „jüngste Kind „ der Göcklinger Brunnen befindet sich auf dem neuen Kirchplatz gegenüber der evangelischen Kirche. Im Jahr 2007 stiftete der SPD-Ortsverein den aus rotem Sandstein bestehenden Brunnentrog, in den aus der öffentlichen Wasserversorgungsleitung das kostbare Nass rinnt. Er fügt sich ausgezeichnet in den neuen Platz ein und belebt ihn außerordentlich.

Laut Pfarrchronik gab es einen sehr alten Brunnen beim alten katholischen Pfarrhaus. Er war mit Schalen umgeben und mit einem Ziehbalken aus Stein versehen. Auf diesem stand die Jahreszahl 1519. Bei einer Reparation wurden die Schalen und der Ziehbalken entfernt, da er als Pumpbrunnen schon früher eingerichtet war. Heute ist der Brunnen mit 2 Betonplatten abgedeckt.

Vor dem Rathaus hat man im Jahr 1961 einen alten Brunnenschacht“mit Werksteinen“ entdeckt. Dieser wurde nach Recherchen des Amtes für Frühgeschichte spätestens im frühen 19. Jahrhundert zugeschüttet.

Außerdem gab es einen „Schulbrunnen“, aus dem auch die Schwestern, die 1897 in das neuerbaute Schwesternhaus gezogen waren, ihren Wasserbedarf decken durften. Nach Pfarrer Schirmers Dorfchronik gab es in Göcklingen noch mehrere „gemeine Brunnen“, die von der Gemeinde gegraben wurden und allen Bürgern zur Verfügung standen.

Bereits 1753 ist die Entrichtung eines „Brunnengeldes“ nachgewiesen. „Der Eberhalter soll von Entrichtung des Brunnengeldes befreyt sein“.

Die Umrisse eines gemauerten Brunnens sind heute noch vor dem Anwesen Reis in der Hauptstraße erkennbar. Allerdings wird aus ihm kein Wasser mehr geschöpft. Die meisten der „gemeinen“ und privaten Brunnen wurden nach dem Bau der Wasserleitung nicht mehr genutzt, ja sogar zugeschüttet, weil sie ihre Bedeutung und ihren Zweck verloren hatten.

Ende der 50 er und Anfang der 60 er Jahre des letzten Jahrhunderts wurden bei Flurbereinigungsmaßnahmen im Setzerberg östlich von Göcklingen mehrere aus Sandstein gemauerte Brunnenkammern an verschiedenen Stellen wieder gefunden. So zum Beispiel in der Gewanne Rücksborn und in der Gewanne Landauer Weg. Man hat das Wasser damals mittels unterirdischem Drainagesystem abgeleitet. Ob sie jemals wieder aktiviert werden, steht derzeit „in den Sternen“.

In der Weinbergsgewanne“ Fronborn“ (bekannt auch unter dem Namen Gernpfad) ist seit Jahrhunderten das „Mosers Brünnel“ bekannt. Es handelt sich um einen artesischen Brunnen (natürlicher Brunnen, bei dem das Wasser durch einen Überdruck des Grundwassers selbständig zu Tage tritt) Im Jahr 1991 hat ihn die Gemeinde neu gefasst. Mit einem Brunnentrog, den man beim Tonabbau westlich von Göcklingen gefunden hat und der aus der Siegrist Mühle stammt, wurde er mit dem alten Brunnenstock des Röhrbrunnens aus dem Unterdorf zu einem richtigen Brunnen gestaltet. Er trägt heute die offizielle Bezeichnung „Mosers Brunnen“ und erinnert mit seinem Namen an die früheren Besitzer des Grundstücks.

Aus gleicher Quelle erhält das „Brünnel im Wörth“, das etwa 200m talwärts sprudelt, sein Wasser. Es befindet sich in unmittelbarer Nähe des Bachlehrpfades und wurde durch den NABU im Jahr 1990 errichtet . Die Leitungen durch die das kalkhaltige Wasser fließt, müssen regelmäßig gepflegt und gewartet werden, sonst drohen sie zu verkalken.

Schließlich finden wir südwestlich von Göcklingen noch den Sau- oder Hungerbrunnen, dessen schmales Rinnsal die Tiere tränkte. Wenn die so genannten Hungerbrunnen im Frühjahr reichlich Wasser hatten, befürchtete man ein Hungerjahr, weil eine große Nässe für die Saat schädlich war.

pkl