Göcklingen

Göcklingen Panoramabild von Göcklingen

Milchviehhaltung gehört der Vergangenheit an

Mit dem Verkauf ihrer beiden Kühe „Scheck“ und „Frieda“ samt einem dazu gehörenden Kälbchen haben die Eheleute Christel und Heinz Altschuh vor wenigen Tagen die Jahrhunderte alte Epoche der Milchviehhaltung in Göcklingen beendet. Obwohl dieser Vorgang in der Region kein Einzelfall darstellt, ist er exemplarisch für den Rückgang und das Schrumpfen der bäuerlichen Kultur.

Wie das Statistische Landesamt auf Anfrage mitteilte, gab es im Jahr 1970 in Rheinland-Pfalz noch 52 000 Milchkühe. Im Jahr 2008 waren es nur noch 2 782. Wie in der Göcklinger Chronik von Pfarrer Dr. Schirmer nach zu lesen ist, war der Beruf des Landwirts, -damals hieß er noch Ackersmann- im Jahr 1803 78 mal vertreten. Im Jahr 1829 hingegen gab es in Göcklingen 130 Bauern und 1980 zählte man einschließlich der „Teilzeit- oder Feierabendbauern“ 35 Betriebe. In Spitzenzeiten der Milchviehhaltung kann man in Göcklingen von einer Stückzahl von 500 Kühen ausgehen. Ein Sprichwort der damaligen Zeit lautete sinngemäß: „Eine Kuh deckt alle Armut zu“. Selbst in den frühen 60 er Jahren des letzten Jahrhunderts standen noch 200 Kühe in Göcklinger Ställen. In dieser Zeit waren die meisten Gemeinden landwirtschaftlich geprägt. So war die Bullenhaltung oder auch Vatertierhaltung genannt, eine Aufgabe der politischen Gemeinde. Der damalige „Fasselhalter“ erhielt außer einer finanziellen Entschädigung von der Gemeinde einen Teil Acker- und auch Wiesenland zugewiesen, das er zur Futtergewinnung der Bullen nutzen durfte. Diese waren Eigentum der Gemeinde und wurden zur Vermeidung von Inzest etwa alle 2 Jahre ausgewechselt.

Schweren Herzens trennten sich Altschuh´s von ihren ihnen lieb gewordenen Milchproduzenten. Sind sie doch beide, insbesondere aber „Bauer Heinz“ leidenschaftliche Milchprodukteverzehrer. Er schwört auf Molke als innere und äußere Medizin. Täglich trinkt er einen Viertel Liter davon und fühlt sich wohl. In ihren Ferienwohnungen hatten Altschuh´ s schon einige Gäste, die an Hautschürfungen oder gar Schuppenflechte litten. Mehrfach eingerieben mit Molke, waren die Blessuren bald geheilt. Von Feriengästen erhielt Herr Altschuh schon Dankschreiben , deren Absender ihn mit „ Doktor Heinz“ betitelten.

Fortschreitendes Alter und die damit einhergehenden „Wehwehchen“ veranlassten Altschuh zu dem einschneidenden Schritt. “Ich wollte den Zeitpunkt der Aufgabe selbst bestimmen und nicht erst im eintretenden Notfall dazu gezwungen werden“ resümiert der leidenschaftliche Tierhalter. Nicht die Fütterung der Tiere, sondern die regelmäßigen Melkzeiten und die damit verbundene Anwesenheit Sonn- und Feiertags waren für seinen Schritt ausschlaggebend. Der übliche Vergleich mit „der dummen Kuh“ sei unzutreffend, stellt Altschuh fest; denn die Kühe reagieren sehr sensibel auf jede Änderung oder Störung ihres Tagesablaufs. Deshalb sah er sich nach einem „guten Stall“ um, dem er seine Tiere anvertraute. Dort hat er seine (er nennt sie heute noch so) Kühe schon mehrfach besucht, die ihn nach wie vor an der Stimme erkennen. Dann beschleicht ihn eine gewisse Wehmut, doch er weiß, „irgendwann musste der Schnitt kommen“. Ganz abstinent ohne Tierhaltung geht es aber noch nicht bei Altschuh´s, sie halten noch Schlachtschweine und hauptsächlich für ihre Feriengäste noch ein Ponny, mit dem er in der Saison Rundfahrten innerhalb der Gemarkung unternimmt

pkl