Göcklingen

Göcklingen Panoramabild von Göcklingen

Die Obermühle oder Siegristmühle westlich von Göcklingen

Wasserläufe waren immer Voraussetzung für menschliche Ansiedlungen. Für das Müllerhandwerk, früher einer der wichtigsten Berufe, waren sie unersetzlich. Allein am Kaiserbach gab es auf einer Strecke von knapp 12 km 8 Mühlen. Eine davon wird noch betrieben, die meisten Anwesen werden anderweitig genutzt, die Obermühle westlich von Göcklingen ist von der Landkarte ganz verschwunden. Von ihrem Schicksal wird heute berichtet.

Archivfoto des ursprünglichen Anwesens um 1900

Die Obermühle oder Siegristmühle, westlich von Göcklingen

Von den acht Mühlen, die einst am Kaiserbach in einer Entfernung von nur knapp 12 km auseinander die Bevölkerung mit Mehl oder auch Öl versorgten,

war die Obermühle, Erlenmühle oder später Siegristmühle genannt, westlich von Göcklingen gelegen, eine der bedeutendsten.

verbliebenes Reststück des Fundaments Foto kleiner

Von dem ursprünglichen Standort der Mühle ist heute nichts mehr zu erkennen. Direkt an der Brücke über den Kaiserbach ist lediglich ein 12 Meter langes Fundamentstück mit 3 Lagen Sandsteine übereinander von der ehemaligen Scheune übrig geblieben. Im Jahr 2010 ist sogar ein größeres Teilstück des ehemaligen Fundaments witterungsbedingt in den Kaiserbach gestürzt.

Die älteste Nachricht dieser Mühle, die mit den vorgenannten drei Namen bekannt geworden ist, stammt aus dem Jahr 1364. Im April 1443 verkauften 2 Ritter von Sickingen, Hans und Swicker, die Mühle an den Abt Bernhardt und den Konvent des Stiftes Klingenmünster für 112 Pfund Pfennige. Aus alten Akten geht weiter hervor, dass Abgaben an den Bischof von Speyer zu entrichten waren, zumal „die Hälfte an den Juncker von Ochsenstein gegeben wurde“ unter der Auflage,die gekauften 13 ½ Morgen Wiesen abgabefrei zu machen oder den Anteil an den Bischof von Speyer zu entrichten. Im Jahr 1766 ist Johann Jakob Hafner als „Müller auf der Erlenmühle“ genannt. Der damalige Name der Mühle ergab sich logischer weise aus dem umstehenden Baumbestand.

Im Urkataster von 1839 wird festgehalten: „Die Erlenmühle, auch Obermühle genannt, außer(halb) dem Dorf am Kaiserbach, im Jahr 1801.... von den Eltern ererbt mit mehreren Grundstücken“. Es sind noch folgende Einzelheiten aus dem Kataster zu entnehmen:“ Wohnhaus und Mühlwerk zu zwey Mahlgängen und einem Schälgang unter einem Dach, Öhlmühle mit Hanfreibe, Holzschopf, Stallung und Kelterhaus, Scheuer mit Keller und Stallung, Schweineställe und Hofraum. Zur Reinigung des Mühlbachs ist der Besitzer lediglich als Angrenzer verpflichtet.“ Da es in Göcklingen bereits eine Dorfmühle gab, erhielt die Erlenmühle, um Verwechslungen zu vermeiden, den Namen Obermühle. Über 130 Jahre lang hatte die Familie Hafner die Mühle in ihrem Besitz. 1886 ist im Fortschreibungskataster (zur Mühle) der Vermerk. „Zwangsversteigerung“ eingetragen. Wahrscheinlich wurde eine Familie namens Siegrist neuer Eigentümer, weshalb man heute noch von der „Siegristmühle“ spricht. Als Mühlenbetrieb erscheint der Name „Erlenmühle“ nochmals im Grundbuch. Nach dem Jahr 1900 war für viele Mühlen das Ende gekommen. Wie Pfarrer Dr. Schirmer in der Dorfchronik von Göcklingen schreibt, „konnten sich ältere Leute daran erinnern, dass das Mühlrad noch im Jahr 1915 stand, obwohl die Mühle schon abmontiert war“.

Sandsteintrog aus der Mühle, heute als Feldbrunnen in der Gemarkung

Anfang der 20 er Jahre des letzten Jahrhunderts wurde die Mühle „auf Abriss“ versteigert. Ein Gastwirt aus Billigheim hat sie ersteigert, weil durch Blitzschlag seine Scheune niedergebrannt und er deshalb an den Steinen interessiert war. Das Acker- und Wiesenland um die Mühle ging über in den Besitz der Brüder Alfons, Franz und Johann Büchler und der Familien Dausch und Eck.

Der Mühlbach oder Mühlgraben, dessen Wasser das Mühlrad einst antrieb, wurde im Zuge der Flurbereinigung im Jahr 1968 eingeebnet. Bei Grabungen für den Tonabbau, der nach 1981 von der Firma Erlus betrieben wurde, hat man einen größeren Sandsteintrog, der aus dem Inventar der Mühle stammte, gefunden. Er wurde restauriert und an anderer Stelle in der Gemarkung Göcklingen als Feldbrunnen (Mosers Brunnen) verwendet. Dieser Brunnentrog ist zusammen mit dem Fundamentrest das letzte Zeichen einer einst wichtigen und geschichtsträchtigen Mühle in der Südpfalz.