Göcklingen

Göcklingen Panoramabild von Göcklingen

Erinnerungen von Hermann Frech

"De Kuckuck"

Herr D. war ein Winzer und Landwirt und wohnte in der gleichen Straße wie wir, nahe meines Elternhauses. Er hatte den Uznamen "Kuckuck", was ich nicht wusste und erst recht nicht, warum er so genannt wurde. Wohl wusste es Fritz Eck, der etwas älter als ich und unser Anführer war. Vor der Wagnerei Alexander, gegenüber unserem Haus lag seit Jahren ein dicker Baumstamm, etwa 80 cm im Durchmesser und ungefähr 3 Meter lang. Dieser Stamm war unser Treffpunkt zu allerlei Spielen und manchem Unfug. So trafen wir uns gegen Abend wieder einmal zum "Hurral" spielen. Dies war ein Versteckspiel, bei dem sich einer auf den Baumstamm stellte, sich die Augen zu hielt oder schloss und laut zählte: "Zehn, zwanzig, dreißig, usw, bis hundert. Wer hinner mir steht, never mir oder vor mir steht, der muss!"  dies war so üblich, dass sich nicht jemand in unmittelbarer Nähe neben den Zähler bzw. Sucher stellte und sich sofort "frei schlagen" konnte. Die anderen versteckten sich in benachbarten Höfen oder Häusern ohne entdeckt zu werden und vor dem Zähler bzw. Sucher an den Platz zu rennen, um sich frei zu schlagen. Gelang es ihnen, riefen sie: "Eins - zwei, - drei, für mich!" und durften  sich beim nächsten Spiel wieder verstecken. Hatte der Suchende seinerseits jemand entdeckt, rannte er rasch zu dem Stamm und rief: "Eins, - zwei, - drei für den..... und nannte den Vornamen des Gefundenen. Dieser war dann beim nächsten Spiel der Suchende.

Irgendwann war ich wieder einmal der Dumme. Fritz sagte zu mir: Diesmal rufscht awer nit 10, - 20, - 30, sondern du rufscht 10 mal hintereinander Kuckuck"! So geschah es. Während sich die anderen versteckten, fing ich an, aus Leibeskräften "Kuckuck" zu rufen. Plötzlich sah ich aus den Augenwinkeln, dass ein Mann, mit einer Wingertshacke auf dem Rücken, auf mich zu rannte und rief: "Du verfluchter Lauser! Dir geb ich's mit deim Kuckuck!" Dabei drohte er mir mit der Hacke. Ich merkte, dass er es ernst meinte, sprang vom Stamm, hinein in unseren Hof und versteckte mich auf dem Abort. Den Türhaken hängte ich vorsichtshalber ein, zitterte und lauschte gespannt. Da hörte ich, wie oben an der Haustür Herr D. schimpfte: "Emma, (meine Mutter)  do hoscht awer en Lauser, Hot der nix annres im Kopp, als alte Leit zu ärgere?! Schäme soll sich dein Freckling"!  (Freckling und Bangert waren damals die gebräuchlichsten Schimpfwörter  mit denen man Kinder und Jugendliche oder Lausbuben belegte).

Meine Mutter sagte ihm, dass sie mir schon die Meinung sagen und mich zurecht weisen würde, wenn ich zurück käme. Dabei hätte die Zurechtweisung einem anderen - nämlich Fritz - gelten müssen. Fritz ist leider früh im Krieg gefallen und so sei ihm der damalige Jux und alle anderen kleinen "Sünden" längst vergeben."

pkl

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