Göcklingen

Göcklingen Panoramabild von Göcklingen

Zum Gedenken an Bischof Konrad Reither

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Zu den Bildern: a) Foto von Bischof Reither, b)Grabplatte im Dom zu Speyer, c) Grabstein von Otto und Anna Reither geb. Schraudolph

Vor 150 Jahren, am *4. April 1871* starb in Speyer  der damalige Bischof, Konrad Reither, geb. am 26. April 1814 in Göcklingen. Er war das vierte von sechs Kindern des Gutsbesitzers und späteren Bürgermeisters Peter Reither und seiner Frau Jakobine. Von 1828 an besuchte Konrad das Gymnasium in Speyer. 1832 ging er auf das Lyzeum in Aschaffenburg, studierte Theologie in Würzburg und trat 1837 ins Priesterseminar in Speyer ein. Am 31. Dezember 1838 wurde er vom damaligen Bischof Jakob Geißel zum Priester geweiht.  Nach einer kurzen Kaplanzeit in Deidesheim wurde Reither im November 1839 als Präfekt an das neu eröffnete katholische Schullehrerseminar in Speyer berufen. Die junge Lehrerausbildungsanstalt baute er zusammen mit dem Leiter der Anstalt, Peter Köstler, unter großen Mühen auf. Bereits 1845 wurde Reither  selbst Leiter des bischöflichen Knabenkonviktes. Seine hervorragenden Kenntnisse in Mathematik, Naturlehre, Geschichte sowie sein musikalisches Können  waren nicht zuletzt dafür Ausschlag gebend, dass Reither für dieses Amt ausgewählt wurde. Außerdem ernannte ihn Bischof Nikolaus von Weiß zum Domchordirektor. Seine Neigung zur  Natur und durch  seine ästhetische Befähigung angeregt, nahm er interessiert Anteil an der Ausmalung des Speyerer Domes durch Johann Baptist Schraudolph, der später  geadelt wurde. Als der Künstler eines Tages vom Gerüst stürzte, besuchte ihn Reither noch am gleichen Abend.  Aus diesem Besuch entwickelte sich eine lebenslange Freundschaft. Nachdem Reither seinen Freund Schraudolph eines Tages in gedrückter Stimmung antraf und nach dem Grund fragte, sagte ihm dieser, dass er zwar mit dem Malpinsel, aber nicht mit dem Federkiel gut umgehen könne. Ab diesem Zeitpunkt führte Reither für ihn den Schriftwechsel in Sachen Dombemalung mit dem Königshaus.

Durch die Freundschaft ihres Vaters mit Konrad Reither bedingt, verbrachte die jüngste Tochter Schraudolphs, Anna mit Namen, einige Zeit in Göcklingen, um sich von einer Krankheit zu erholen. Dabei verliebte sie sich in Konrad Reithers Neffen Otto. Aus dieser Ehe gingen sieben Kinder hervor. Otto starb 1903, seine Frau 1908. Beide wurden auf dem Göcklinger Friedhof bestattet. Das Grab und der Grabstein sind heute noch vorhanden. Ein weiteres Produkt der Männerfreundschaft Reither / Schraudolph sind die Altarbilder in der katholischen Kirche von Göcklingen. Sie wurden von Schraudolphs Bruder Claudius  zwischen 1883 und 1885 gemalt und zieren heute noch das Gotteshaus,

Von den 31 Jahren, die Reither am katholischen Lehrerseminar in Speyer wirkte, war er ein Viertel Jahrhundert dessen Leiter. In dieser Zeit hat er über 800 Lehrer ausgebildet und somit die Pfalz geprägt. Ein Teil  seiner Lehrmethoden werden heute noch etwas abgewandelt angewandt. Die langjährige Tätigkeit Reithers endete mit dem 29. April 1870. An diesem Tag wurde er von König Ludwig II. zum Bischof von Speyer ernannt. Als er im Spätjahr 1870 zum Bischof geweiht wurde, war er bereits von einer tödlichen Krankheit gezeichnet. Ohne je ein Pontifikalamt im Dom gefeiert zu haben, starb  Konrad Reither als 85. Bischof des Bistums Speyer am*4. April 1871.* Für seine Freunde und Bekannte  war es eine Tragödie, dass der Mann, der so viel für die Lehrer des Bistums Speyer getan hatte, für seine Diözese als Bischof kaum etwas bewirken konnte. Eine Grabplatte im Chor des Domes zu Speyer bewahrt ebenso die Erinnerung an den großen Sohn der Gemeinde Göcklingen, wie ein Barockkelch, den er der Pfarrei in Göcklingen geschenkt hat.

pkl

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