Göcklingen

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Geheimnis um die Grabplatte in der Göcklinger katholischen Kirche gelöst

Grabplatte

Nachdem im Jahr 1973 das Gotteshaus mit dem Fußboden grundlegend erneuert wurde, mussten auch die Altäre abgetragen werden. Als auf dem Marienaltar die Altarplatte entfernt wurde, entdeckte man auf ihrer Unterseite, dass sie eine Grabplatte war. Die qualitativ wertvolle Darstellung zeigt eine Dame im Halbrelief, auf einem Hund stehend von dem allerdings nur noch Reste erkennbar waren, bekleidet mit einem feinen Gewand und einem Kopfschleier, die Hände zum Gebet gefaltet. An den vier Ecken sind die Wappen ihrer Ahnen angebracht Die 2,10 m mal 1.15 m große Rechteckplatte musste für den späteren Zweck als Altartisch entsprechend bearbeitet werden, so dass ein Teil des Bildes samt der Umschrift und der sie umgebenden Wappen teilweise zerstört wurden. Am rechten Rand der Platte war noch der Rest dieser Inschrift zu lesen:

"(ST)ARB FRAU ENIFE VON BER...." Der damalige Göcklinger Ortspfarrer Dr. Aloys Schirmer, der die Chronik von Göcklingen schrieb, konnte auch mit Hilfe des Landesamtes für Denkmalpflege in Speyer nicht die Herkunft und das Abbild der Frau ergründen. Die Grabplatte wurde im Auftrag des Landesamtes von dem Kaiserslauterer akademischen Bildhauer Richard Menges in der Folgezeit nach bestem Wissen und Gewissen restauriert. "Ich gebe die Hoffnung nicht auf", schreibt Pfarrer Schirmer zu dem Kapitel in der Ortschronik, "dass uns vielleicht doch eines Tages eine Urkunde aus dem Weißenburger Raum das Geheimnis um die gesuchte Yenife von Berneck lüften kann". Zwischenzeitlich haben mehrere Historiker und Heraldiker mit wechselndem Erfolg geschichtliche Studien hierüber begonnen. Der Historiker Albert Schwarz hat sich ausführlich mit der Materie beschäftigt und glaubt, dass nach seinen Recherchen der Beweis erbracht ist, wer die Dame auf dem Steinbild war und wie dieses nach Göcklingen gekommen ist. Das Ergebnis seiner Nachforschungen ist in der "Pfälzer Heimat" Jahrgang 62 Heft 1 2011 veröffentlicht.

Für die Identifizierung der Verstorbenen sind Umschrift und Wappen unerlässlich. Beide weisen starke Beschädigungen auf, so dass alle Versuche, den Namen der dargestellten Person heraus zu finden, scheiterten. Sie konnte auch keiner Adelsfamilie zugeordnet werden, weshalb die Frage offen blieb, warum für sie die Göcklinger Kirche als Grabstätte gewählt wurde. Der Rest der erhaltenen Umschrift enthält aber glücklicherweise den wichtigsten Abschnitt der Namensfragmente der Verstorbenen. Der Text beginnt mit der Datumsangabe in römischen Zahlen, das M für 1000 und die vier C für 400. Die Zehner und Einer fehlen völlig. Die Darstellung als auch die Schrift sind in das späte 15. Jahrhundert zu datieren.

Obwohl der Schriftzug nicht vollständig erhalten ist, (BER..) ging man von dem Namen Berneck aus, zumal man von der Familie Berneck schon gehört hatte. Der Ortsnamen Berneck kommt, obwohl so vertraut, nur 2 mal in Deutschland vor. Es gab zwar Adelsgeschlechter dieses Namens, doch hatte keines davon ein Wappen, das dem, das auf dem Grabstein angebracht ist, ähnelt. Der Zufall kam Schwarz zu Hilfe; denn bei seinen Recherchen stieß er auf eine Urkunde, die den ungewöhnlichen Vornamen "Genefe" für Genoveva trug. Der Zu- oder Nachname der Frau lautete aber nicht "BERNeck", sondern gehörte einer Familie " von BERNauwe". In der Urkunde bekennt der Speyerer Bischof Johann Nix von Hoheneck (1459 bis 1463), von Hans Blumenau und seiner Ehefrau Genefe von Bernau (Bernauwe) 1000 Gulden geliehen zu haben.

Ohne Zweifel handelt es sich bei der in der Urkunde genannten Genefe von Bernauwe um die auf der Grabplatte dargestellte Yenife. Nun stand zwar der Name fest, die Ermittlung der Herkunft gestaltete sich schwieriger als erwartet. Von den 8 Orten des Namens Bernau unter anderem in Böhmen, in der Schweiz oder in Brandenburg hatten nur zwei einem Adelsgeschlecht ihren Namen geliehen. Allerdings war eine dieser Familien bereits im 13. Jahrhundert ausgestorben.

Das Wappen der Herren von Bernau trägt in Rot einen Schrägrechtsbalken mit einer Weiß-schwarzteilung und ähnelt einem der vier Wappen auf der Göcklinger Grabplatte. Trotz der Ähnlichkeit konnte keine Beziehung hergestellt werden. Von den übrigen 3 Wappen lässt sich das mit den gekreuzten Greifvogelständern am ehesten zuordnen. Es gehört zur Familie ihres (Yenife) Großvaters mütterlicherseits. Von den anderen beiden Wappen, die beschädigt waren und ob sie den Originalen entsprechen, weiß man nichts.

Pfarrer Schirmer stellte die weitere Überlegung an, warum die Göcklinger Pfarrkirche als Grabstätte bestimmt wurde. Eine Verbindung zur Madenburg oder zur Burg Landeck ergab keine Anhaltspunkte. Eine weitere Spur führte nach Weißenburg. Die drei jetzigen Altäre der Pfarrkirche standen ursprünglich im dortigen Franziskaner Kloster. Nach Ausbruch der französischen Revolution und Verstaatlichung des Kirchenbesitzes wurden sie abgebrochen und versteigert. Dabei kamen sie ohne Altarbilder nach Göcklingen und wurden in einer Scheune versteckt, bis sie 1796 in der Pfarrkirche aufgestellt wurden.

Da der Name des Ehemannes bekannt war, eröffneten sich neue Möglichkeiten, über diese Schiene weitere Informationen über die gesuchte Person zu gewinnen. Dabei kam Schwarz erneut der Zufall zu Hilfe. 1453 klagten die Deutschordensherren in einem Rechtsstreites um ihr in Weißenburg gelegenes Grundstück gegen den Hausbesitzer Hans von Blumenau, den Ehemann der Yenife von Bernau. Die Familie Blumenau stammte aus der Ministerialität des Straßburger Hochstifts und war somit eine angesehene Familie, die sich über das Elsass bis nach Weißenburg und in die Pfalz ausbreitete.

Damit scheint hinlänglich bewiesen, dass Yenifes Grabstein aus einem Weißenburger Kloster stammt und wie von Pfarrer Schirmer vermutet, zusammen mit den Altären auf einem Ochsenkarren nach Göcklingen kam.

Somit hat sich -- zwar nicht mehr zu seinen Lebzeiten aber doch posthum - die Hoffnung von Pfr. Dr. Aloys Schirmer erfüllt, "vielleicht doch eines Tages das Geheimnis um die gesuchte Yenife von Bern(eck)au lüften zu können".

pkl