Göcklingen

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Saure Zeiten gab es schon immer

Bei dem heutigen Beitrag wird in erster Linie Wert auf die Geschichte eines alten Essigfasses gelegt. Dieses über 200 Jahre alte Erbstück mit einem Volumen von etwa 5 Liter, gebrannt aus grauem Ton hat eine besondere Geschichte. Es ist heute im Besitz von Edwin Schäfer, der es mit seiner Frau Liesel von Frau Hermine Brecht geb. Doll geschenkt bekommen hat. Sie hat es von ihrem Vater bekommen und wusste zu Lebzeiten zu berichten, dass das für sie wertvolle Familienstück schon drei Generationen zuvor im Familienbesitz war. Also könnte es nahezu 300 Jahre alt sein.

Bei Essig handelt es sich um ein uraltes Lebensmittel, das schon zu Frühzeiten der Menschheitsgeschichte genutzt wurde. Essig konnte genau wie der Alkohol, der aus vergorenen Früchten entsteht, in der Natur entdeckt werden. Unter natürlichen Bedingungen entsteht Essig stets aus Alkohol. Überliefert ist der Essiggebrauch von den Babyloniern, Assyrern und den Ägyptern. Selbst in der Bibel wird bei der Kreuzigung Christi beschrieben, dass man einen Schwamm mit Essig tränkte und ihn Jesus zur Linderung seiner Pein an die Lippen presste. Im Altertum entdeckte man den Essig als Heilgetränk und Konservierungsmittel. Durch Verfeinerungen und Verbesserungen ist das bis zum heutigen Tag so geblieben und gilt teilweise sogar als Delikatesse. Viele Bakterien und Pilze vertragen das Essigmilieu nicht und sterben ab. Lediglich für uns nützliche Keime wie z.B. die Milchsäurebakterien überleben. Ein Beispiel hierfür sind die eingelegten Gurken.

Bei der früheren Herstellung von biologischem Essig wurde ein Teil der "Essigmutter" (das war der Rest) in dem Fass belassen und mit alkoholischen Getränken aufgefüllt. Durch den Gärungsprozess verwandelte sich der Alkohol in Essig, den man wie erwähnt, als Heilmittel, Konservierungsmittel oder schlicht mit Wasser verdünnt, als Getränk zu sich nahm. Insofern hatte das Essigfass eine große Bedeutung, zumal es steril, dicht, lichtbeständig und relativ temperaturunabhängig war.

Heute kann man Essig auch synthetisch herstellen, was besonders für hochprozentige Essige gilt. Trotzdem ist es interessant, wie sich die Menschheit über tausende von Jahren die Essigsäurebakterein zu Nutze machten. Ein Dank gilt deshalb Herrn Edwin Schäfer und allen Vorbesitzern dieses Essigfasses, das uns Einblick in einen Teil des Lebens unserer Vorfahren gewährt.

pkl