Göcklingen

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Der (Ge)-Würzwisch als christliches Brauchtum

Am 15. August feiert die katholische Kirche das Fest "Maria Himmelfahrt". In Göcklingen Tag findet die traditionelle "Kräuterweihe" einen Tag später, am 16. August, in einer Eucharistiefeier um 18.30 Uhr statt. Der Würzwisch ist ein Brauch christlichen Ursprungs, bei dem er gesegnet wird. Im Anschluss an den Gottesdienst werden die Würzwische gegen einen geringen Betrag verkauft. Der Erlös geht an an ein caritatives Projekt.

Bereits am Dienstag, 15. August trifft sich die KfD-Göcklingen um 14 Uhr im Pfarrheim zum Würzwischbinden. Wer Kräuter im Garten oder sonst wo gefunden hat, kann diese mitbringen. Bitte auch Gartenschere nicht vergessen.

Der Würzwisch ist ein Gebinde aus Heilkräutern und Gewürzpflanzen, die früher und heute noch zum großen Teil in der Küche zur Geschmacksverbesserung von allerlei Speisen und als Naturheilmittel zur Linderung und Heilung von Krankheiten von Mensch und Tier verwendet wurden bzw. werden . Außerdem hat er einen religiösen christlichen Hintergrund; so soll er - unter das Dach gesteckt - vor Naturkatastrophen wie Blitzschlag und Sturmschäden schützen.

Bei manchen Pflanzen sind Namensunterscheidungen in regionaler Hinsicht nichts Außergewöhnliches. Ganz zu schweigen von den botanischen Namensbezeichnungen, denen allerdings keine große Bedeutung beigemessen wird.

Bis in die 70 er Jahre des letzten Jahrhunderts war der Würzwisch ein Höhepunkt der Kinder in ihrem christlichen Jahresablauf. Wer den größten Strauß aufzuweisen hatte, genoss die Hochachtung seiner Mitstreiter. Mittelpunkt des Würzwisches ist die Königskerze (Kunkel genannt) und die Stockrose, (Malve) weil sie die anderen Pflanzen in der Höhe überragen. Zusammen mit Wermut, Beifuß, Weinraute, Maggikraut (Liebstöckel) und anderen Gartenkräutern waren und sind sie leicht zu ergattern.

Den Großteil bilden die "gemeinen" Pflanzen, die an Wegrändern, Äckern und Wiesen wachsen. Zu ihnen gehören z.B. Wegwarte, Rainfarn, Oregano,Pfeifenblume, Sauerampfer, Karde, Witwenblume, Johanniskraut, gemeines Leinkraut, Blutweiderich, Wiesenkratzdistel, Schafgarbe oder Amaranthus. Nur wenig Spezialisten hatten Raritäten in ihrem Wisch wie Tausenguldenkraut oder Herrgottschühchen (Stopfarsch) das auf die Wirkung gegen Durchfall hinweist.

Alle aufgeführten Pflanzen, - es sollen insgesamt 33 sein - haben positive Bestandteile, die wie eingangs erwähnt, heute noch in der Küche und in der Homöopathie Anwendung finden. Allerdings sind manche Wirkstoffe von der Schulmedizin nicht akzeptiert, ja sogar als schädlich eingestuft worden. Einige Kräuter haben an Bedeutung gewonnen.

Wie dem auch sei, der Würzwisch hat zu seiner Zeit viel Allgemeinwissen vermittelt, von dem die Menschen heute noch zehren.

pkl