Göcklingen

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Gedanken zum Reformationstag

Heute, am 31. Oktober 2017 ist überall in Deutschland erstmals und einmalig ein gesetzlicher Feiertag. Anlass ist das Jubiläum: "500 Jahre Reformation" Am 31. Oktober 1517 soll Martin Luther seine 95 revolutionäre Thesen an die Kirchentür von Wittenberg genagelt haben. Damit begann die Spaltung der der bis zu diesem Zeitpunkt etwa 1500 Jahre einigen christlichen Kirche.

Ist dieser Jahrestag also wirklich ein Grund zum Feiern? Diese Frage kann man mit "Ja" beantworten, weil das Lutherjahr 2017 in vielen Städten und Dörfern erstmals gemeinsam von beiden Konfessionen begangen wurde. Noch vor 50 Jahren hat man das Trennende scharf betont, die (altgläubigen) Katholiken wurden von den reformierten Protestanten und umgekehrt ausgegrenzt. Man wollte nichts mehr miteinander zu tun haben, obwohl man an den einen Gott glaubt. Konfessionsverschiedene Ehen waren damals ein großes Problem, während man sie heute in der Vorreiterrolle einer gelebten Ökumene sieht.

An der Basis hat sich der Kurs der "versöhnten Verschiedenheit" längst durchgesetzt, sei es aus logischem Grund oder aus praktischen Erwägungen. Der tägliche Umgang miteinander in einer konfessionell gemischten Kommune schaffte zwangsläufig viel mehr Spielraum für Gemeinsamkeit als in einer einseitig konfessionell ausgerichteten Gemeinde. Hier mehrere Beispiele aus unserer Gemeinde:

Schon 1971 "sprang" der katholische Kirchenchor für seinen evangelischen Schwesternverein in die Bresche, als dieser auf einem mehrtägigen Ausflug weilte und einem seiner Mitglieder die "letzte Ehre" eines Grabgesangs nicht erweisen konnte.

Inzwischen besteht ein dauerhafter ökumenischer Beerdigungschor.

Beide Kirchengemeinden gewährten sich schon mehrmals gegenseitiges "Gastrecht", als ihr eigenes Gotteshaus renoviert wurde und nicht benutzt werden konnte.

Bei der in den 90 er Jahren durchgeführten Abstimmung über den Erhalt des Buß-und Bettages als gesetzlichen Feiertag war Göcklingen trotz Überzahl der Katholiken eine von zwei Gemeinden innerhalb der Verbandsgemeinde Landau-Land, die sich mehrheitlich für den Erhalt eingesetzt hat.

Die privaten ökumenische gegenseitige Attribute bleiben überdies der Öffentlichkeit unbekannt und spielen sich im "stillen Kämmerlein" ab.

Im "Lutherjahr" hat Papst Franziskus den Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche Deutschlands zweimal empfangen, was vor zwei Jahrzehnten noch undenkbar gewesen wäre. Auch dies ist ein Grund - trotz noch bestehender Kirchenspaltung - zum Feiern. Der von Luther heftig kritisierte Ablasshandel ist außer Mode gekommen und wäre heute in dieser Form kein Grund mehr zur Spaltung. Dennoch sind klerikal-hierarchische erstarrte Strukturen (Frauenrechte) möglicherweise ein Hindernis in der Ökumene. Ob der Priestermangel in der katholischen Kirche allein auf das Zölibat zurückzuführen ist, darf angesichts der ähnlichen Situation in der evangelischen Kirche bezweifelt werden. Papst Benedikt XVI. hat einmal beklagt, dass die (Amts)"Kirche" Haupthindernis des Glaubens sei.

In der globalisierten und säkularisierten Welt bleiben beiden Konfessionen in der christlichen Kirche wenig Optionen, allein einen erfolgreichen Weg zu gehen. Deshalb sollten beide daran arbeiten, näher bei den Menschen zu sein und auf ihre Sorgen und Nöte eingehen. Denn (nur) der gemeinsame Glaube kann die Menschen und die Kirche stark machen in diesen schwierigen Zeiten.

pkl