Göcklingen

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In fünfter Generation Brennrecht in Familienbesitz

Johannes Helbling, 33 jähriger ausgebildeter Winzer und erfolgreicher Absolvent der Fachoberschule von 2005 bis 2007 in Weinsberg, mit der Berufsbezeichnung "Techniker für Weinbau und Oenologie" betreibt seit 2011 in Göcklingen eine Obstbrennerei im Nebenerwerb in 5. Generation. Zuvor erwarb er sich die erforderlichen Kenntnisse im Bereich Frucht- und Brennereitechnologie.

Im Jahr 1893, also noch zu Kaisers Zeiten kaufte Georg Wind, der Ur-Ur-Großvater des heutigen Betreibers, wohnhaft in Eschbach ein "Brennrecht" vom Staat. Es befugte den Besitzer Kartoffeln und Korn zu brennen. Winds Tochter, Barbara Bender, geb. Wind erbte 1932 dieses Recht und ließ es später in ein Obstbrennrecht umwandeln. Ab dieser Zeit durften nur noch Obstsorten, Weinhefe und Trester gebrannt werden. Die Brennerei wurde 1987 vom Sohn Norbert Bender in der dritten Generation übernommen, dessen Tochter Thea verheiratete Helbling, wohnhaft in Göcklingen erbte im Jahr 1999 die Brennerei mit Brennrecht von ihrem Vater.

Im Jahr 2010 wurde Johannes Helbling, der Sohn von Thea, Besitzer des Rechts und verlagerte die Brennerei nach Göcklingen. Nach entsprechenden räumlichen Veränderungen konnte mit neuem Gerät die Branntweinerzeugung in Göcklingen beginnen.

Das alte Branntweinmonopolgesetz wurde am 1.1. 2018 abgelöst durch das Alkoholsteuergesetz. Die staatlichen Kontrollen bestehen aber nach wie vor. Ein Brand ist eine Woche vorher anzumelden. Zuständig ist das Hauptzollamt, die Steueraufsicht übernimmt die Überwachung, die unangemeldet Kontrollen durchführen kann. Das neue Gesetz erlaubt eine Destillation neben Obst auch das Brennen von stärkehaltigen Stoffen wie Kartoffeln und Getreide. Diese erweiterte Gelegenheit der Produkte nutzte der neue Inhaber, um erstmals nach 65 Jahren im Februar 2018 wieder mit der Getreideart "Triticale", eine Kreuzung aus Roggen und Weizen zu destillieren. Dieses Produkt muss mindestens ein Jahr im Holzfass gelagert werden und darf erst nach drei Jahren in den Verkehr gebracht werden, um die Bezeichnung "Whiskey" zu erhalten.

Gerade Besonderheiten sind die Spezialitäten des jungen "Wilden".***"Das Einfangen von Aromen verschiedener regionaler Erzeugnisse und die Gewinnung qualitativ hochwertiger Destillate ist meine Motivation und mein Produktionsziel*" so Helbling. Dass sein Konzept aufzugehen scheint, ist daran zu erkennen, dass die Produkte Helblings bereits mit mehreren bronzenen und silbernen Kammerpreismünzen, sein Gewürztraminer Tresterbrand sogar mit der Goldenen Kammerpreismünze ausgezeichnet wurden. Für sein Vorhaben musste er circa 30 000.-- Euro investieren. Der jährliche Umsatz beträgt je nach Ernteertrag im Durchschnitt etwa 10 000.-- Euro.

Seine Produktionspalette umfasst Quittenlikör, Holunderlikör Wiliams-Christ-Birnenlikör, einen "Wintertraum" l(ein Gewürzlikör, nur in den Wintermonaten erhältlich), die Klassiker Williams-Christ,- Mirabellen,- Apfel,- Zwetschgen- und Kirschbrand sowie Traminer-Tresterbrand aus dem Holzfass, Wiesenobstbrand (gebrannt aus Birnen und Äpfeln von Streuobstwiesen) und wie bereits erwähnt einen klaren Kornbrand aus Korn von regionalen Kleinbauern. Nicht der finanzielle Erfolg steht bei ihm im Vordergrund, vielmehr will er durch "Nischenprodukte" auf die Vielseitigkeit der regionalen Erzeugnisse aufmerksam machen.

pkl

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