Göcklingen

Göcklingen Panoramabild von Göcklingen
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Edwin Schäfer schreibt über sein Leben

Das Archivbild zeigt ein Teil der Bewohner des damaligen "Armenhauses" in Göcklingen

"Meine Heimat Göcklingen" heißt der Titel des über 500 Seiten starken Buches, in dem der 90-jährige Edwin Schäfer seine Erinnerungen an ein bewegtes Leben schildert. Der in Waldrohrbach geborene Schäfer verlebte den größten Teil seiner Kindheit bei Pflegefamilien oder in Kinderheimen. In Göcklingen hat er 70 Jahre seines Lebens verbracht. Die meisten Begebenheiten fußen aus der Zeit, die er 67 Jahre mit seiner Frau Liesel, die 2016 starb, gemeinsam erlebte. Im Krieg wurde er mit 15 Jahren noch aktiv als Flakhelfe eingesetzt.

Über zwei Jahre schrieb Schäfer an seinem Lebenslauf. Obwohl sein Leben und das seiner Frau im Vordergrund stehen, spiegelt das Werk die schwere Zeit Mitte der 30-er Jahre bis zum gelungenen Wiederaufbau der Bundesrepublik Deutschland durch das deutsche Wirtschaftswunder in der Südpfalz wider. Unvorstellbar für die heutige Zeit sind die damaligen Lebensverhältnisse aufgezeichnet. So "hausten" menschenunwürdig über 50 Personen, darunter mehr als 40 Kinder im Armenhaus, ohne fließendes Wasser und elektrisches Licht mit nur zwei Plumpsklo's . Im Hof stand zusätzlich ein Eisenbahnwaggon, in dem noch zwei weitere Familien lebten. Die Wäsche wurde auf mehreren Waschbänken, die aus Sandsteinplatten bestanden, am Kaiserbach gewaschen. Als Tagelöhner und Hilfsarbeiter oder durch Fertigen von Kleinteilen wie Wäscheklammern verdienten sich damals - und nicht nur in Göcklingen - die meisten Familienväter im wahrsten Wortsinn ihr Brot und die Frauen steuerten ihren Teil zum Lebensunterhalt durch Sammeln von Beeren und Pilzen, Ähren lesen, Kartoffeln stoppeln und ähnlichen Tätigkeiten bei. Gelegentlich wurde von den Männern auch "gewildert", um bei "hohen" Feiertagen ihrer Familie ein Stück Fleisch bieten zu können.

Mit entwaffnender Offenheit schildert Schäfer nicht nur dieses Kapitel, sondern erzählt auch von den schönen und angenehmen Seiten des Lebens und vom schrittweisen Wiederaufbau nach dem Krieg bis zum Erwerb eines eigenen Hauses (klein, aber mein) sowie seiner Zeit als Vorsitzender des Pfälzer-Wald-Vereins, mit dem er viele schöne Stunden erleben durfte.

Vom Schicksal blieb Schäfer nicht verschont; musste er doch wenige Tage nach seinem 90. Geburtstag (2. Nov. 2018) seinem vierten Kind, der Tochter Heidi, die mit 58 Jahren starb, ins Grab schauen.

Das Buch, das in der geschilderten Zeit in gewisser Weise die Südpfalz darstellt, ist bei Edwin Schäfer in Göcklingen, Hauptstraße 82 Tel. 06349 - 8479 zum Preis von 35.-- Euro zu erwerben.

pkl

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