Göcklingen

Göcklingen Panoramabild von Göcklingen
Vorlesen

Der Göcklinger Dorfplatz im Wandel der Zeit

Bild 1 Bild 2 Bild 3

Man muss als Ur-Göcklinger schon die Lebensmitte überschritten haben, um die dargestellte Örtlichkeit auf Anhieb zu erkennen

Das Bild 1 entstammt einer Zeichnung aus dem Jahr 1934. Vermutlich wurde es gemalt von dem Lehrer Martin Korz, der von 1928-1936 in Göcklingen unterrichtete. Wie es nach über 80 Jahren an die Öffentlichkeit kam, erklärt sich wie folgt:

Der Heimatforscher und Göcklinger Ehrenbürger Hermann Frech erhielt bei einem Besuch bei Familie Ferdinand, Anita und Marc Büchler Kenntnis von diesem Bild. Wie es dort hin kam, ergibt sich aus folgender logischer Folgerung.

Den Rasierapparat, wie wir ihn heute kennen, gab es damals noch nicht. Die Männer gingen zum Frisör und ließen sich rasieren. Ein Ahnherr der Familie Büchler war Frisör. Vermutlich ließ sich Lehrer Korz von ihm regelmäßig rasieren. Bei dieser Gelegenheit wird er wohl das Bild an Büchler verkauft oder verschenkt haben, wo es bis heute im Familienbesitz geblieben ist. Jedenfalls ist dieses zeitgenössische Dokument Dank der Familie Büchler und Herrn Frech der Nachwelt erhalten geblieben.

In der linken unteren Ecke sind die Ecksteine des alten Kriegerdenkmals zu sehen. Rechts davon das "Wachthäusel", ein Überbleibsel des ehemaligen Fronhofs. Eine Hälfte des Gebäudes diente als Wohnung für den Nachtwächter, die südliche Hälfte war das "Spritzenhaus" oder Feuerwehrhaus, wo das damalige Löschgerät gelagert war. Der "Turm" oder Dachreiter diente zum Trocknen der Schläuche.

Um 1937 wurde die ehemalige Nachtwächterwohnung als Milchsammelstelle umgebaut. Zum besseren Be-und Entladen versetzte man den Eingang an die Nordseite des Gebäudes und die auf dem Bild zu sehende Treppe wurde abgerissen. In die Sammelstelle brachten die Bauern morgens und abends ihre nicht selbst verbrauchte Milch, von wo sie in die Molkerei nach Landau gebracht wurde. In den 50-er Jahren diente das Obergeschoss des Gebäudes als (Not)Wohnung, bis das ganze Gebäude 1973 abgerissen wurde. Heute befindet sich dort die Bushaltestelle mit Unterstellplatz.

Am Eingang zum Freihof sieht man rechts und links Reste des ehemaligen Torbogens. 1985 konnten Steinmetze den Torbogen im gleichen Stil und in der gleichen Art wie er früher war, erneuern. Das Haus rechts des Eingangs wurde 1793 als kurpfälzisches Staatsgut von den französischen Revolutionstruppen versteigert und von Familie Hess erworben. Die Familie Georg Lauth hat es von Familie Hess abgekauft. Heute ist es im Besitz der Gemeinde Göcklingen. Ein weiterer Teil des Freihofes (früher Anwesen Nuß) ist heute ebenfalls im Besitz der Gemeinde ein Großteil gehört der Familie Otmar Eiswirth.

In der Bildmitte sieht man die katholische Kirche und den Turm. Er war zur damaligen Zeit im oberen Teil unverputzt. Zwischen Turm und der rechts daneben stehenden katholischen Lehrerwohnung ragt die auf der Pfarrwiese stehende, inzwischen 190 Jahre alte Platane hervor. Die Lehrerdienstwohnung befand sich im Eigentum der Gemeinde, weil die Residenzpflicht der Lehrer zur damaligen Zeit obligatorisch war. In den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts verkaufte die Gemeinde das Gebäude an eine Privatperson. Heute befindet sich unter anderem darin eine Arztpraxis. Auf dem Schulhaus, in dem auch die Gemeindeverwaltung untergebracht war, sieht man auf dem Dach die Sammelstelle der örtlichen Telefonleitungen. Die 6 oder 7 Telefone im Ort hatten ihre eigene Leitung, die hier zusammen geführt wurde. Auf der Stirnseite des Hauses war die Bekanntmachungstafel mit den aktuellen Neuigkeiten der Gemeinde sowie der "Aufgebotskasten", in dem die Personalien heiratswilliger Brautpaare veröffentlicht waren. Nach Wegfall der Funktion als "Schulhaus" wird heute ein Saal als Vereinsdomizil, ein anderer als Sitzungssaal des Gemeinderats genutzt, ein weiterer Raum ist gewerblich verpachtet.

Rechts vorn steht das Haus von Karl und Hedwig Schäfer, lange Zeit die Poststelle von Göcklingen. Zuvor befand sich darin der Dorfladen der jüdischen Familie Händel, dessen Zugang von der Schulstraße aus erfolgte. Der Briefkasten an der Wand war damals nicht gelb, sondern in den Farben Bayerns Weiß-blau gehalten. Ganz rechts im Vordergrund steht der "Neubau" von Schäfers "Kolonialwarenladen". Sowohl dieses Gebäude, als auch die benachbarte Metzgerei Bischoff, später Platz (nicht mehr im Bild) wurden in die damals unbebauten Gärten gebaut.

Bild Nr. 2 zeigt den Ausschnitt aus einer Ansichtskarte von Göcklingen aus dem Jahr 1909.

Dazu folgende Erläuterung: Links ist das Haus Buckel zu sehen, das bis 1959 als Protestantisches Pfarrhaus diente. Wo heute das Ehrenmal für die Gefallenen und Vermissten der beiden Weltkriege steht, war ursprünglich ein Garten. Dahinter und rechts daneben ist -heute noch erkennbar - das frühere Gasthaus "Zur Krone" im Besitz der Familie Eck zu sehen und rechts (vor der Girlande des Fotos) sieht man den Brunnen, der nachfolgend näher beschrieben ist. Das Bild haben wir Frau Johanna Kleiner zu verdanken.

Bekanntlich wurde die öffentliche Wasserleitung in den Jahren 1928/29 in Göcklingen verlegt. Bis zu diesem Zeitpunkt stand vor dem "Wachthäusel" ein Brunnen, der durch eine hölzerne Rohrleitung mit Wasser aus der Gewanne "Eisennest" im unteren Drittel des Setzerberges, gespeist wurde. Später stand der Brunnentrog am Münsterweg vor dem heutigen Hausbräu. Bei der Renovierung des Rathausvorplatzes im Jahr 1984/85 wurde er auf Anregung von Hermann Frech wieder vor das Rathaus gestellt. Vor dem Jahr 1928/29 war lediglich die "Steingasse" wie der Name sagt, mit Steinen verlegt. In den frühen 30er Jahren wurde die Hauptstraße und der Dorfplatz gepflastert, worauf die Gemeinde damals mächtig stolz war.

Schließlich sieht man auf Bild Nr. 3 ein aktuelles Foto des Rathausplatzes vom gleichen Standort aus, wie er 1934 gemalt wurde.

pkl

Datenschutzerklärung - Impressum