Göcklingen

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Von der deutsch-französischen Erbfeindschaft zur deutsch-französischen Freundschaft

Der 19. Juli 1870 war ein Schicksalstag zwischen Frankreich und Deutschland wie aus der Geschichte zu entnehmen ist. Heute vor 150 Jahren begann der deutsch-französische Krieg.

Die Gebiete der heutigen beiden Staaten waren im 9. Jahrhundert Teile des Fränkischen Reichs Karls des Großen. Nach der späteren Teilung entstand aus dem Ostteil das mittelalterliche Deutsche Reich (Heiliges Römisches Reich deutscher Nation) und aus dem westlichen Teil Frankreich. Das Mittelreich unter Lothar I. (später Lothringen) wurde noch im 9. Jahrhundert unter den beiden anderen Reichen aufgeteilt. Den Streit um Teile des Mittelreichs führten Deutschland und Frankreich (deutsch-französische Erbfeindschaft) bis Mitte des 20. Jahrhunderts. Kriegerische Auseinandersetzungen gab es immer wieder, vom 30-jährigen Krieg, über den Pfälzischen Erbfolgekrieg, (1688 bis 1697) den spanischen Erbfolgekrieg (1701 - 1703),

Zur Zeit des Absolutismus betrieb Ludwig XIV. eine expansive Außenpolitik. Die Pfalz, Elsass und Lothringen wechselten im Lauf der Jahrhunderte mehrfach die staatliche Zugehörigkeit. 1794 besetzten französische Truppen das linke Rheinufer. Auswirkungen für die Pfalz auch für unser Dorf durch die Besetzung der katholischen Kirche von französischen Soldaten sind bekannt. Andererseits muss man anerkennen, dass durch Napoléon I. der nicht nur ein geniale Feldherr, sondern auch ein großer Staatsmann war, viele zivile Einrichtungen für die Bevölkerung geschaffen wurden. Erinnert sei nur an den "Code Civil" (französisches Gesetzbuch zum Zivilrecht) der als Vorläufer des heutigen Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB am 1.1. 1900 in Kraft getreten) gilt. Das Verhältnis zwischen Preußen und Frankreich verschlechterte sich während der Zeit der deutschen Reichseinigung. An der Frage der spanischen hronfolge entzündete sich ein weiterer Konflikt, da 1868 die spanische Königin Isabella II. verjagt worden war und Prinz Leopold von Hohenzollern-Sigmaringen ein aussichtsreicher Nachfolgekandidat war. Frankreich fühlte sich dadurch wie im 16. Jahrhundert durch die Habsburger "umklammert". Nach Gesprächen am 11.und 13. Juli 1870 zwischen dem französischen Gesandten Benedetti und König Wilhelm in Bad Ems, wo der König zur Kur weilte, verzichtete Leopold auf seine Kandidatur. Jedoch sollte sich der preußische König verpflichten, niemals wieder seine Zustimmung zu einer Kandidatur der Hohenzollern zu geben. Diese Forderung lehnte Wilhelm ab. Der Bericht über dieses Ergebnis wurde nach Berlin zum preußischen Ministerpräsidenten Otto von Bismarck telegrafiert. Dieser kürzte den Text von etwa 200 Wörtern auf die Hälfte, wodurch die Formulierung verschärft und im "Preußischen Staatsanzeiger" veröffentlicht wurde. Die in die Geschichte eingegangene "Emser Depesche" löste in Deutschland Jubelstürme und in Frankreich Entrüstung aus. Napoléon III. sah sich darauf hin gezwungen, am 19. Juli 1870 Deutschland den Krieg zu erklären. Am 2. August begannen die gegenseitigen Kampfhandlungen. Die für Deutschland erfolgreiche Schlacht bei Sedan (1.und 2. September 1870) bestärkte bei vielen Deutschen den Glauben, den 1. Weltkrieg, (begonnen 1914), zu gewinnen. Bekannt sind die erbitterten Kämpfe an der Westfront bei Verdun 1916 mit Millionen Toten auf beiden Seiten. Verdun wurde zum Symbol für die Schrecken des Krieges.

Mit der Landung der Alliierten in der Normandie im Juni 1944 wurde Frankreich zu einem Hauptkampfgebiet des 2. Weltkriegs. Nach Kriegsendei 1945 wurde aus Gebieten der britischen und amerikanischen Besatzungszone die französische Besatzungszone gebildet, der auch die Pfalz angehörte. Das Saarland wurde als französisches Protektorat mit eigener Staatsangehörigkeit abgetrennt. Nach einer Volksabstimmung schloss sich das Saarland am 1. Januar 1957 der Bundesrepublik Deutschland an.

Nach Gründung der Bundesrepublik Deutschland schlug Konrad Adenauer einen Kurs der Westintegration ein und bemühte sich um eine engere Zusammenarbeit mit Frankreich. Hauptziel war die Wiedererlangung der Souveränität Deutschlands. Der historische Élysée Vertrag vom 22. Januar 1963 zwischen Charles de Gaulle und Konrad Adenauer besiegelte die guten Beziehungen und die Freundschaft zwischen Frankreich und Deutschland. Die weiteren guten Kontakte der nachfolgenden Regierungschefs beider Länder führten kontinuierlich bis heute zu besseren Beziehungen und zum "deutsch-französischen Motor in der Europäischen Gemeinschaft."

Das Ziel einer gemeinsamen Staatsangehörigkeit Europas - Vereinigte Staaten von Europa - ist zwar noch nicht erreicht. Aber dass aus den beiden "Erbfeinden" Frankreich und Deutschland 75 Jahre nach der letzten kriegerischen Auseinandersetzung Freunde werden würden mit Auswirkungen auf kleine Gemeinden, wie die Partnerschaft zwischen Soucy und Göcklingen zeigt, war nicht vorhersehbar. Heute kann man nur wünschen und hoffen, dass sich diese Entwicklung fortsetzt zum Wohl aller Menschen auf dem europäischen Kontinent.

pkl

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