Göcklingen

Göcklingen Panoramabild von Göcklingen

Die Obermühle, Erlenmühle oder Siegrist-Mühle westlich von Göcklingen

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Unsere Bilder zeigen: a) die Mühle um 1900, b) ein Steintrog aus dem Inventar

Fließgewässer waren für das Müllerhandwerk, früher einer der wichtigsten Berufszweige für die menschliche Ernährung, unersetzlich. An Bächen, aufgereiht wie Perlenketten prägten sie die Landschaft. Viele Mühlen sind dem "Mühlensterben" um die vorletzte Jahrhundertwende   zum Opfer gefallen. Die meisten Anwesen werden heute  anderweitig genutzt oder sind wie die Obermühle westlich von Göcklingen ganz von der Landkarte verschwunden. Von ihrem Schicksal berichten wir heute. Von den 8 Mühlen, die einst am Kaiserbach in einer Entfernung von 10 km die Bevölkerung mit Mehl oder Öl versorgten, war die Erlenmühle, Obermühle oder Siegristmühle, wie sie später genannt wurde, eine der bedeutendsten.

Die älteste Nachricht dieser Mühle, die mit den vorgenannten Namen bekannt ist, stammt aus dem Jahr 1364. Etwa 80 Jahre später, im April 1443 verkauften zwei Ritter von Sickingen, Hans und Swicker, von dem sich der Familienname Schweikert und ähnliche Schreibweisen ableiten, die Mühle an den Abt Bernhardt und den Konvent des Stifts Klingenmünster für 112 Pfund Pfennige. Aus den Akten geht weiter hervor, dass Abgaben an den Bischof von Speyer zu entrichten waren, zumal "die Hälfte an den Juncker von Ochsenstein gegeben wurde" unter der Auflage, die gekauften 13-einhalb Morgen Wiesen abgabenfrei zu machen oder den Anteil an den Bischof von Speyer zu entrichten. Von 1717 bis 1753 war eine Familie Holtzinger Mühlenbesitzer.

Im Jahr 1754 ist Johann Jakob Hafner als Müller auf der "Erlenmühle" genannt. Über 130 Jahre lang hatte die Familie Hafner die Mühle in ihrem Besitz. Der damalige Name ergab sich logischerweise aus dem umstehenden Baumbestand.

Im Urkataster von 1839 ist festgehalten: "Die Erlenmühle, auch Obermühle genannt, außer(halb) dem Dorf am Kaiserbach, im Jahr 1801..... von den Eltern ererbt mit mehreren Grundstücken". Es sind noch weitere folgende Einzelheiten aus dem Kataster zu entnehmen: "Wohnhaus und Mühlwerk zu zwey Mahlgängen und einem Schälgang unter einem Dach, Ölmühl mit Hanfreibe, Holzschopf, Stallung und Kelterhaus, Scheuer mit Keller und Stallung, Schweineställe und Hofraum."  Daraus ist zu schließen, dass dem Mühlenbetrieb ein weiteres Standbein, nämlich ein landwirtschaftlicher Gemischtbetrieb mit Weinbau und Viehhaltung angegliedert war.

Da es in Göcklingen bereits eine Dorfmühle gab, erhielt die Erlenmühle, um Verwechslungen vorzubeugen, den Namen Obermühle, weil sie am Bachlauf oberhalb des Dorfes stand. 1886 ist im Fortschreibungskataster (zur Mühle) der Vermerk "Zwangsversteigerung" eingetragen. Wahrscheinlich wurde in diesem Zusammenhang eine Familie Siegrist  neuer Eigentümer, weshalb man heute noch von der "Siegristmühle" spricht. Als Mühlenbetrieb erscheint der Name "Erlenmühle" nochmals im Grundbuch. Doch um 1900 war für viele Mühlen das Ende gekommen.. Pfarrer Dr. Schirmer schreibt in seiner Ortschronik über Göcklingen  von der Mühle: "Viele ältere Leute konnten sich  daran erinnern, dass das Mühlrad und wesentliche Gebäudeteile  1915 noch vorhanden waren, obwohl die Mühle schon lange nicht mehr betrieben wurde."

Anfang der 20 er Jahre des letzten Jahrhunderts wurde die Mühle "auf Abriss" versteigert. Ein Gastwirt aus Billigheim hatte sie ersteigert, weil seine Scheune durch Blitzschlag niedergebrannt und er deshalb an den Steinen interessiert war. Das Ackerland um die Mühle ging in den Besitz der Brüder, Alfons, Franz und Johannes Büchler und der Familien Dausch und Eck über.

Der Mühlbach, dessen Wasser das Mühlrad antrieb,  vertrocknete im Laufe der Zeit und wucherte mit Gestrüpp und Bäumen zu. Er wurde im Zuge der Ackerflurbereinigung 1968 eingeebnet. Von dem ursprünglichen Standort der Mühle ist  heute nichts mehr zu erkennen. Lediglich direkt am Bachufer ist ein 12 m langes Fundamentstück mit drei übereinander geschichteten Sandsteinreihen der ehemaligen Scheune sichtbar. Ein größeres Teilstück davon ist im Jahr 2010  witterungsbedingt in den Bach gestürzt. Bei Grabungen für den in unmittelbarer Nähe durchgeführten Tonabbau in den 80 er Jahren  hat man einen größeren Steintrog aus dem Mühleninventar gefunden. Er wurde restauriert und an anderer Stelle in der Gemarkung als Feldbrunnen (Mosers Brunnen) wieder aufgestellt. Dieser Brunnen ist zusammen mit den Fundamentresten die letzte sichtbare Erinnerung an eine einst wichtige und geschichtsträchtige Mühle in der Südpfalz.

Quellen: Schirmer, Ortschronik Göcklingen,mündl. Überlieferungen, eigene Recherchen

pkl


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